In "Ein Doppelgänger" (1887), einer der letzten und sozialkritischsten Novellen Theodor Storms, kämpft John Hansen um ein ehrliches Leben. Einst wegen eines Verbrechens im Gefängnis, will er nach seiner Entlassung ein rechtschaffener Mann, Ehemann und Vater sein. Doch die Kleinstadt vergisst nichts: Sein früheres Ich, der "Doppelgänger", verfolgt ihn wie ein Schatten. Armut, Misstrauen und die unbarmherzige Ausgrenzung der Gesellschaft treiben ihn Schritt für Schritt ins Verhängnis.
Mit tiefer Menschlichkeit erzählt Storm vom Ringen um Würde und von der Frage, ob ein Mensch seiner Vergangenheit je entkommen kann. Eine ergreifende Studie über Schuld, Stigma und soziale Not — und über die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter.
Hans Jochim Schmidt liest die vollständige Novelle, ungekürzt, rund 2½ Stunden.
