Marta schläft

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Hat mir gar nicht gefallen. Spannung kommt erst zum Schluss auf und dieses ewige Umherspringen zwischen Briefen und Jahreszahlen ist einfach nur verwirrend. Enttäuschend !
Manfred 16.05.2020
5
Es gibt hier verschiedene Kernthemen: Schuld und Vergeltung, wie der Klappentext sagt, aber auch Liebe und Vergebung. Eine genauso große Rolle spielen die Fragen: Wie verändert uns das alles – und wie prägt uns die Vergangenheit für unseren weiteren Lebensweg? Die Figuren in dieser Geschichte haben eine schwere Kindheit durchlebt und es unterschiedlich verarbeitet. Romy Hausmann schafft es, diese komplexen Empfindungen zu einem Strang zu verweben und wunderbar in Worte zu fassen. Der Schreibstil ist ganz anders, als wir es aus „Liebes Kind“ kennen. Dieser hier war bildhafter, lebendiger. Es wird aus verschiedenen Perspektiven berichtet, die zeitlich auseinander liegen. Dadurch fiel es mir zunächst etwas schwer, mich in den Plot einzufinden, da noch einige Unklarheiten herrschten. Es gibt jede Menge Informationen, aber der Zusammenhang kommt erst sehr viel später zum Vorschein. Die Spannung ist zunächst eher unterschwellig, baut sich zum Ende hin dann aber mehr und mehr auf. „Normal wird man, indem man Normales tut.“ (Zitat) Aber wer definiert normal? Aus den Briefen, die immer wieder in die Geschichte eingearbeitet wurden, geht hervor, dass das für jeden etwas anderes bedeutet. Für den einen: nicht auffallen, nicht aus der Rolle fallen. Für den anderen: einen Teppich kaufen können. „Du bist, was du bist, Nadja.“ (Zitat) Beim Blick in die Vergangenheit erfahren wir, dass Nadja sich um ihren kleinen Bruder gekümmert hat, bevor sie ins Gefängnis musste. Der Kontakt zu ihm brach dadurch ab und Nadja hat immer noch daran zu knabbern. Die Erzählung war durch kurze knappe Sätze zwar stringent, aber mir fehlte leider ein wenig die Tiefe der Charaktere. Dies ist vor allem dem geschuldet, dass in kurzer Zeit viele Personen eingeführt werden und erst nach und nach klar wird, wer wie in die Gesamthandlung passt. Auch die Briefe und Rückblenden kann man anfangs nicht zuordnen - so wird es schwer, sich ein umfassendes Bild der Personen zu machen. Ich habe das Ganze als Herausforderung gesehen und als Gelegenheit, mich intensiver mit einer Story auseinanderzusetzen. Diese hier ist es definitiv wert, nicht überflogen zu werden. So richtig emotional wird es dann ab der Mitte des Buches, wenn sich die ersten Zusammenhänge auftun und man die Puzzleteile zusammenfügt. Je mehr sich die Wahrheit lichtet, umso spannender wird der Plot und endet dann in einem überraschenden Finale, auf das ich still bittend hingefiebert habe - und ich wurde nicht enttäuscht. Persönliches Fazit: Ein Thriller mit unterschwelliger Dramatik, der langsam anläuft und mit einem spannenden Plot und vielen Wendungen belohnt, wenn man dranbleibt. Fast wie bei einem Sinfonieorchester, bei dem erst die leisen, feinen Streicher einsetzen, später dann die mutigen und fordernden Holzbläser hinzukommen, um im Finale mit den Blechbläsern all das hinauszutragen, was sich bis dahin an Spannung und Vorfreude angesammelt hat. Ich habe parallel das Hörbuch verschlungen und war ziemlich überrascht, wie flott ich es durch hatte. Matthias Koeberlin, Inka Löwendorf und Anna Fischer haben als Sprecher*innen gute Arbeit geleistet. Manchmal waren mir die "Luftschnapper" zu deutlich hörbar, aber alle drei besitzen die Fähigkeit, Betonungen und Pausen präzise zu setzen, sodass ich gern weitergehört habe. Lauscht mal rein bei Gelegenheit!
Recensio Online 04.05.2020
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